Das Schauspielhaus Dortmund hat uns freundlicherweise zur Hauptprobe des Stücks Der Ring des Nibelungen eingeladen. Diese Einladung hat der KLC e.V. natürlich gern angenommen. 

Der Ring des Nibelungen von Necati Öziri hat mit dem Opernzyklus Wagners von 1853 nur noch wenig gemein – so scheint es zunächst. Ein junger Mann erzählt zu Beginn in einem langen Monolog von seiner Auseinandersetzung mit dem Theaterstoff:

„Darf ich, bei dem zuhause kein Klavier rumstand, nicht mal ne Blockflöte, bei dem den ganzen Tag Super RTL lief, dem abends keine Mythen vorgelesen wurden, für den Wagner eine Tiefkühlpizza der gehobenen Preisklasse war …? Darf ich bei ‚dem Ring‘ überhaupt mitmachen?“ (aus „Der Ring des Nibelungen“ von Necati Öziri)

Dann erzählt er die Kernhandlung des Wagner-Stücks kurz nach. Nun, so kurz es eben geht. Denn immerhin umfasst der eigentliche Ring des Nibelungen unzählige  Handlungsstränge und Protagonist*innen. Wagner hat ganze 25 Jahre an dem Werk gearbeitet. Alberich und Wotan kämpfen darin um die Weltherrschaft. Doch Necati Öziri gibt bewusst den weniger mächtigen Nebenfiguren die Stimme. Alberich, Brünnhilde, Fricka und die Nachkommen von Riesen brechen auf Richtung Walhall, um Wotan ein für alle Mal aus dem Sattel zu heben. Brünnhilde hat die Nase gestrichen voll vom Walküren-Dasein, und Fricka zieht einen Schlussstrich unter ihre Beziehung zu Wotan. Die Riesen-Sprösslinge hingegen rechnen mit einer Gesellschaft ab, in der sich ihre Eltern als Gastarbeiter förmlich zu Tode geschuftet haben.

Der Ring des Nibelungen und patriarchale Macht

Die Perspektiven der weiblichen Figuren wurden im „Ring“ stark hervorgehoben. Ein ungewohnter Anblick für das Publikum war wohl die Nacktheit auf der Bühne. Die Darstellerin der Figur Fricka war von Beginn bis Ende des Stücks vollkommen entkleidet. Einzig die langen Haare verdeckten Teile ihres Körpers. Ein starkes Statement gegen die Sexualisierung des weiblichen Körpers. Brünnhilde befreite sich selbst aus der Rolle der „unzähmbaren“ Walküre. Fricka erzählt von ihrer Beziehung zum Gott Wotan und von den damit verbundenen Herausforderungen: unter anderem Treue(bruch) und (gewollte) Kinderlosigkeit. Ebenso äußern sich die Kinder der Riesen (bzw. Gastarbeiter) über die Ausgrenzung und Ausbeutung ihrer Eltern. Der Ring – ein Symbol für patriarchale und weiße Machtstrukturen?

Uns hat die Inszenierung von „Der Ring des Nibelungen“ am Schauspielhaus Dortmund gut gefallen. Wie es zu einem gelungenen Theaterabend gehört, hat uns das Stück viele Fragen und Stoff zum Nachdenken mitgegeben. Wir bedanken uns noch einmal herzlich für die Einladung und freuen uns auf ein Wiedersehen am Schauspielhaus.

Fotogalerie aus Der Ring des Nibelungen

Leonie NdoukounAutorin
Assistentin der Geschäftsführung