Ein Kind, das ständig aneckt. Ein Junge, der glaubt, aus ihm werde sowieso nichts. Eine Turnhalle, viele Gespräche und irgendwann ein Vorschlag: Versuch es mal mit Kampfsport.
Jahre später steht genau dieser Junge wieder vor Dennis. Er besucht inzwischen die Realschule, trainiert weiterhin Kampfsport und sagt rückblickend: „Damals, das war so der Wendepunkt.“
Solche Momente bleiben. Und sie erzählen viel darüber, wer Dennis ist.
Dennis Roloff ist Kursleiter beim KLC und aktuell fest an der Herder Grundschule im Einsatz. Dort begleitet er Kinder im offenen Ganztag, gestaltet Sportangebote und ist im Alltag der OGS nah an den Kindern dran: im Spielraum, auf dem Schulhof, im Essensbereich und besonders in der Turnhalle.

Zum KLC kam Dennis zu Beginn seines Studiums 2018. Er suchte eine Tätigkeit, die praktisch ist, flexibel bleibt und bei der er merkt, dass das eigene Tun etwas auslöst. Ein klassischer Bürojob war nie seins. „Ich wollte etwas machen, wo man auch sieht, was man gemacht hat“, erzählt er. Die Arbeit mit Kindern gibt ihm genau das: direkte Begegnung, Bewegung und das Gefühl, wirklich etwas bewirken zu können.
Begonnen hat Dennis mit Hausaufgabenbetreuung. Seitdem war er an vielen Grundschulen in Dortmund im Einsatz. Heute ist er vor allem an der Herder Grundschule tätig. Dort bringt er nicht nur Erfahrung mit, sondern auch ein feines Gespür dafür, was Kinder brauchen. In seiner KLC-Karriere hat er sich durch verschiedene Angebote durchprobiert. Darunter AGs mit den Schwerpunkten Graffiti, Parcours sowie allgemeine Bewegungs-AGs.
Seine Fußball AGs und Bewegungsangebote sind für Dennis mehr als Sport. Natürlich wird gespielt, gerannt, geworfen, geklettert und ausprobiert. Aber dahinter steckt mehr. Kinder sollen merken, was in ihnen steckt. Sie sollen sich trauen, Neues zu versuchen. Und manchmal entdecken sie dabei etwas, das sie noch einen Weg lang begleitet.
„Vielleicht habe ich den nächsten Boris Becker bei mir, weil ich einmal Tennis gespielt habe und ein Kind das für sich entdeckt.“
Genau deshalb arbeitet Dennis nicht nach einem starren Ablauf. Bedingt durch die offene OGS-Struktur variiert seine Schüler*innenschaft. Mal kommen zehn Kinder, mal deutlich mehr. Mal ist die Gruppe ruhig, mal braucht sie Bewegung, mal wünschen sich die Kinder etwas Bestimmtes. Dennis bringt dafür ein breites Repertoire an Spielen und Bewegungsformen mit und passt sein Angebot an die jeweilige Gruppe an.

Er plant nicht an den Kindern vorbei. Er hört hin, nimmt Rückmeldungen ernst und lässt die Kinder mitgestalten. Wenn sie eine Spielidee mitbringen oder Kritik äußern, greift Dennis das auf. So entstehen Angebote, in denen Kinder nicht nur mitmachen, sondern selbst Einfluss nehmen.
„Ich sage ganz oft: Wenn ihr eine coole Idee habt, überlegt euch das und sagt mir das ein, zwei Tage vorher.“
In der Turnhalle wird daraus manchmal Fußball, manchmal Völkerball, Brennball oder Dodgeball. Manchmal werden Geräte aufgebaut, Rollbretter genutzt oder eigene Spiele entwickelt. Entscheidend ist für Dennis nicht, dass jedes Kind das Gleiche kann. Entscheidend ist, dass jedes Kind einen Zugang findet.
Diese Haltung zeigt sich besonders in der Geschichte eines ehemaligen Schülers. Ein Schüler war in der Grundschulzeit oft wütend, wurde mehrfach suspendiert und glaubte selbst kaum noch daran, dass aus ihm etwas werden kann. Dennis hat ihn nicht abgeschrieben. Er blieb mit ihm im Gespräch, klar und direkt.
„Ich habe zu ihm gesagt: Wenn du so weitermachst, kannst du nichts mehr aus deinem Leben machen, weil du dir selber alles verbaust.“
Als der Junge ihm erzählte, dass er viel Wut in sich habe, schlug Dennis ihm Kampfsport vor. Nicht, weil damit alles sofort gelöst gewesen wäre. Sondern weil der Junge einen Ort brauchte, an dem seine Energie anders raus konnte. Jahre später trafen sie sich wieder. Der Junge geht heute auf die Realschule, trainiert weiter und wirkt deutlich stabiler. Für Dennis war das ein besonderer Moment.
Es sind genau solche Begegnungen, die ihm zeigen, warum diese Arbeit zählt. Nicht alles ist sofort sichtbar. Nicht jedes Kind sagt direkt Danke. Aber manchmal kommt Jahre später jemand zurück und erinnert sich.
„Es ist schön, wenn Kinder nach ein, zwei oder drei Jahren wiederkommen und erzählen, was sie jetzt machen. Oder wenn sie sagen: Weißt du noch, als wir damals diesen Ausflug gemacht haben?“
Dennis möchte Kinder bestärken, ohne ihnen etwas vorzumachen. Wenn Kinder davon träumen, Fußballprofi zu werden, nimmt er das ernst. Gleichzeitig spricht er mit ihnen auch über einen Plan B. Für ihn heißt Ermutigung nicht, alles schönzureden. Es heißt, einem Kind etwas zuzutrauen und trotzdem ehrlich zu bleiben.

„Probier das aus für dich“, ist einer seiner zentralen Sätze.
Auch privat zeigt sich, wie ernst Dennis Verantwortung nimmt. Gemeinsam mit seiner Verlobten hat er ein Pflegekind aufgenommen, das er über seine Tätigkeit an der Schule kennengelernt hat. Diese Erfahrung hat seinen Blick auf Kinder noch einmal geschärft. Viele tragen etwas mit sich, das man auf den ersten Blick nicht sieht. Manche werden leise. Manche werden laut. Manche werden wütend.
Dennis schaut genauer hin: „Jeder trägt sein Päckchen, ob man es sieht oder nicht.“
Vielleicht ist genau das sein Kern: Dennis sieht nicht nur die Gruppe. Er sieht das einzelne Kind. Mit seinen Stärken, seinen Unsicherheiten, seiner Geschichte und seinem Potenzial.
Beim KLC schätzt Dennis besonders, dass die Tätigkeit echte Praxiserfahrung ermöglicht. Gerade für Lehramtsstudierende sei das wertvoll. Denn im Studium lerne man vieles theoretisch. Wie der Alltag mit Kindern wirklich aussieht, wie Gruppen funktionieren, wie Konflikte entstehen und wie man darauf reagiert, erlebt man erst vor Ort.
Für Dennis ist die Arbeit beim KLC deshalb auch eine Möglichkeit, herauszufinden, was zu einem passt. Wer mit Kindern arbeiten möchte, sollte es ausprobieren, sagt er. Nicht nur, weil man Erfahrung sammelt, sondern weil man dabei merkt, ob einem diese Arbeit liegt.
Am Ende bleibt bei Dennis vor allem eines hängen: Er bietet Kindern nicht einfach Sport an. Er schafft Momente, in denen sie sich selbst anders erleben können. Mutiger. Zugehöriger. Wirksamer. Gesehener.
Oder, wie Dennis es sagt: „Kinder sind die Zukunft. Es braucht halt immer mehr Stützen.“



