Behind the Kurs: Fabio Schmitz
Am Monatsende landen bei Fabio Schmitz rund 250 Rechnungen im Postfach. Zahlen, Einsatzzeiten, Schulen, Kursleitende, Stunden.
Auf den ersten Blick klingt das nach Verwaltung. Nach Tabellen, Mails und Abrechnungen. Für Fabio steckt dahinter aber viel mehr. Denn er weiß, was diese Stunden bedeuten. Er weiß, wie es ist, selbst in einer OGS Gruppe zu stehen, Kinder bei den Hausaufgaben zu begleiten, in der Sprachschule ohne gemeinsame Sprache anzufangen oder mit Jugendlichen über ihre Stärken zu sprechen.
Fabio kennt den KLC nicht nur aus dem Büro. Er kennt ihn aus dem Alltag.

Seit mehreren Jahren ist Fabio Schmitz Teil des KLC. Er ist 25 Jahre alt, studiert Lehramt für Sonderpädagogik im Master und kam zu Beginn seines Studiums zum Verein. Seine Freundin arbeitete damals bereits beim KLC und erzählte ihm von der Möglichkeit, neben dem Studium praktisch mit Kindern zu arbeiten.
Für Fabio passt das sofort. Das Studium ist ihm zu theoretisch, der Wunsch nach echter Erfahrung groß.
„Das Studium ist einfach sehr praxisfern aufgebaut“, erzählt er. „Deswegen war das für mich eine gute Idee.“
Was beim KLC als Nebenjob beginnt, wird für Fabio schnell zu einem Ort, an dem er sein eigenes Standing entwickelt. Nicht im Hörsaal, nicht nur über Theorie, sondern durch echte Situationen: Kinder, die Orientierung brauchen. Gruppen, die unruhig werden. Jugendliche, die Fragen stellen. Eltern, die Unterstützung benötigen. Schulen, die sich auf Kursleitende verlassen.
In der OGS erlebt Fabio zunächst, was es heißt, im Schulalltag präsent zu sein. Kinder kommen aus dem Unterricht, manche müde, manche laut, manche mit Hausaufgaben, manche mit Bewegungsdrang. Hier braucht es Menschen, die Ruhe reinbringen, Aufgaben erklären, Streit auffangen und trotzdem freundlich bleiben.
Für Fabio ist dieser Einstieg wertvoll, weil er nicht direkt vor einer ganzen Klasse steht, aber trotzdem Verantwortung übernimmt.
„Man steht nicht direkt vor 25 Kindern“, sagt Fabio rückblickend. „Man hat vielleicht eine Gruppe mit zehn bis fünfzehn Kindern. Das war ein sehr sanfter Einstieg.“
Sanft bedeutet aber nicht belanglos. Fabio lernt dort, wie Kinder reagieren, wie Gruppen funktionieren und wie wichtig es ist, als verlässliche Person wahrgenommen zu werden. Genau daraus wächst Sicherheit.
Später erweitert sich sein Blick. In der Sprachschule mit Plapagei geht es um Kinder, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland sind, noch keinen Schulplatz haben oder kurz vor dem Einstieg in die Schule stehen. Viele sprechen zu Beginn kaum oder gar kein Deutsch.
Hier reicht es nicht, einfach ein Angebot vorzubereiten. Wenn gemeinsame Sprache fehlt, braucht es andere Wege: Bilder, Gestik, Mimik, Wiederholung, klare Routinen und Beziehung.
„Man hat da erstmal alle Möglichkeiten genutzt, die man irgendwie zur Verfügung hat“, erzählt Fabio.
Die Sprachschule fordert Fabio anders als die OGS. Dort steht er mit einer weiteren Person vor einer kleinen Gruppe und trägt viel Verantwortung für den Tagesablauf. Die Kinder brauchen nicht nur Wörter. Sie brauchen Sicherheit. Sie müssen verstehen, was passiert, was von ihnen erwartet wird und wem sie vertrauen können.
Gerade hier merkt Fabio, wie schnell Arbeit sichtbar wirken kann.
„Man merkt super schnell Fortschritte“, sagt er. „Das ist natürlich für einen selbst auch sehr prägend, wenn man Lehramt studiert und weiß: Ich kann wirklich bei Kindern was erreichen.“
Für ihn ist das ein Schlüsselmoment. Er erlebt nicht nur, dass Kinder lernen. Er erlebt, dass sein eigenes Handeln einen Unterschied macht. Dass Beziehung trägt. Dass Geduld wirkt. Dass Sprache manchmal lange vor dem ersten vollständigen Satz beginnt.
„Diese Beziehung zu den Kindern aufzubauen, das ist im Grunde das Wichtigste in diesem Bereich“, sagt Fabio. „Und das lernt man einfach nicht in der Uni.“
Mit den Potenzialanalysen kommt noch einmal eine andere Altersgruppe dazu. Hier arbeitet Fabio mit Jugendlichen der achten und neunten Klassen. Das Angebot hilft Schüler*innen dabei, Interessen, Fähigkeiten und Stärken sichtbar zu machen. Es geht nicht darum, jemanden auf einen Beruf festzulegen. Es geht darum, Jugendlichen einen Blick auf das zu ermöglichen, was in ihnen steckt.
Auch diese Rolle fordert Fabio anders. Jugendliche brauchen keine Betreuung wie Grundschulkinder. Sie brauchen Ernsthaftigkeit, Augenhöhe und eine Atmosphäre, in der Fehler nicht peinlich sind.
„Ich finde es wichtig, dass sie mich als positive Person wahrnehmen“, erzählt Fabio. „Dass sie Rückfragen stellen können und wissen: Es ist nicht schlimm, wenn ich einen Fehler mache.“

So wächst Fabio beim KLC nicht einfach durch viele Stationen. Er wächst durch sehr unterschiedliche Anforderungen. In der OGS lernt er, Gruppen zu halten. In der Sprachschule lernt er, Beziehung aufzubauen, auch wenn Sprache fehlt. In der Potenzialanalyse lernt er, Jugendliche ernst zu nehmen und Stärken wahrzunehmen. Dazu kommen Grundschulen, unterschiedliche Schulformen, Ferienprogramme, Vertretungen und später sein Praxissemester an einer Förderschule.
Genau diese Breite verändert sein Auftreten.
Als Fabio ins Praxissemester geht, hat er nicht nur fünf Jahre Theorie im Rücken. Er hat echte Situationen erlebt. Er kennt Grundschulkinder und Vorschulkinder. Er kennt Jugendliche. Er kennt Regelschule und Förderschule. Er kennt kleine Gruppen und größere Lerngruppen. Er weiß, wie es ist, spontan reagieren zu müssen. Und er weiß, dass Kinder und Jugendliche ihn als Bezugsperson wahrnehmen können.
„Ich war froh, dass ich schon eine Menge Praxiserfahrung durch den KLC sammeln konnte“, sagt er. „Man wird nicht ins kalte Wasser geworfen.“
Während andere Studierende sich fragen, ob sie vor einer Gruppe bestehen oder als Autoritätsperson wahrgenommen werden, geht Fabio mit einem anderen Gefühl in die Schule. Nicht überheblich. Aber sicherer. Er hat erlebt: Ich kann Kontakt aufnehmen. Ich kann Gruppen begleiten. Ich kann etwas bewirken.
Heute arbeitet Fabio beim KLC vor allem im Hintergrund. Er prüft Rechnungen von Kursleitenden, ordnet Stunden zu und erstellt auf dieser Grundlage Abrechnungen für Schulen. Damit ist er eine Schnittstelle zwischen Kursleitenden, Schulen und Verein.
„So bin ich ein bisschen die Zwischenperson zwischen Kursleitenden und den Schulen“, sagt er.
Was trocken klingen könnte, hat für Fabio viel Bedeutung. Denn hinter jeder Rechnung erkennt er die Arbeit, die er selbst kennt. Eine OGS Stunde ist für ihn nicht nur eine Zahl. Eine Sprachschulstunde ist nicht nur ein Eintrag. Eine Potenzialanalyse ist nicht nur ein Termin. Dahinter stehen Kinder, Jugendliche, Kursleitende, Schulen und Situationen, die getragen werden müssen.
„In meiner jetzigen Position bekomme ich gefühlt alles mit“, erzählt Fabio. „Wie viele Kursleiter wirklich aktiv sind, wie viele Stunden an den Schulen absolviert werden.“
Gerade dadurch versteht Fabio heute noch deutlicher, wie groß der Beitrag des KLC ist. Als Kursleiter sieht man einzelne Gruppen. Im Backoffice sieht er das Netzwerk dahinter: wie viele Menschen im Einsatz sind, wie viele Stunden zusammenkommen, wie oft Vertretungen übernommen werden und wie sehr Schulen auf Unterstützung angewiesen sind.
„Ich bin immer noch sehr froh darüber, dass ich Teil davon bin“, sagt er.
Für Fabio ist der KLC deshalb mehr als ein Ort, an dem man neben dem Studium arbeitet. Es ist ein Ort, an dem man ausprobieren kann, wer man in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sein möchte. Man sammelt nicht nur Stunden. Man sammelt Situationen. Man wächst an Gruppen, an Verantwortung, an Unsicherheit und an Momenten, in denen plötzlich etwas gelingt.
Deshalb gibt Fabio neuen Kursleitenden vor allem eines mit: nicht nur dort bleiben, wo es bequem ist. Verschiedene Angebote kennenlernen. Unterschiedliche Altersgruppen erleben. Sich zutrauen, auch in neue Bereiche reinzugehen.
„Umso mehr ich gewagt und Angebote wahrgenommen habe, habe ich gemerkt: Daran wächst man extrem.“
Vielleicht ist genau das Fabios besonderer Blick: Er sieht den KLC heute von vorne und von hinten. Dort, wo Kinder begleitet werden. Dort, wo Jugendliche ihre Stärken entdecken. Und dort, wo all diese Einsätze sichtbar und möglich gemacht werden.
Am Ende bleibt für ihn nicht die Rechnung. Sondern das, was dahintersteht.
„Man kommt nach langer Zeit wieder und trotzdem verbinden die Kinder einen mit einem guten Gefühl“, erzählt Fabio. „Da merkt man, wie wertvoll das Ganze ist.“



